Tumbleweed sammelt 6,9 Millionen Euro: größte SpaceTech-Seed-Runde Österreichs
Angeführt wird die Runde vom Frühphaseninvestor PactVC. Beteiligt sind zudem Vanagon Ventures aus München, Prototype Capital, der bereits früh in Tumbleweed investiert hatte, EWOR sowie eine Gruppe internationaler Investor:innen und Business Angels. Mehr als ein Drittel des 25-köpfigen Teams von Tumbleweed hat außerdem eigenes Geld in das Unternehmen investiert. Dies ist die bislang größte Seed-Runde in der Geschichte des österreichischen SpaceTech-Sektors.
Diese Finanzierung erlaubt es uns, das zu skalieren, was wir mit unserer ersten Mission Oasis Alpha bewiesen haben: dass Mikrogravitation eine breit verfügbare industrielle Ressource sein kann.
Statt jahrelanger Vorbereitung, um einen Satelliten ins All zu bringen, bestellt man einfach eine ihrer Boxen.
Vom Mars-Rover zur Mikrogravitation
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 2016 zurück. Damals entstand Team Tumbleweed, eine Initiative, die mit mehr als 30 Beteiligten an einem Rover-Konzept für den Mars arbeitete.
Dafür sind Tests und Experimente unerlässlich. Doch im Austausch mit Forschenden stieß das Team dabei immer wieder auf dasselbe Problem: Experimente unter Schwerelosigkeit werden seit mehr als 50 Jahren durchgeführt, der Zugang zur Mikrogravitation ist aber bis heute langwierig, teuer und für Organisationen außerhalb der klassischen Weltraumbranche kaum möglich.
2024 wurde schließlich aus dieser Erkenntnis Tumbleweed Microgravity als eigenständiges Unternehmen ausgegründet.
Ohne zusätzliche Zertifizierungshürde ins All
Laut CEO und Mitgründer Julian Rothenbuchner liegt der eigentliche Engpass in der Zertifizierung: Ein Experiment für den Flug ins All zu qualifizieren, dauert üblicherweise Jahre. Tumbleweed setzt hier mit sogenannten "Pods" an: Das sind fehlerisolierende Nutzlastbehälter, die bereits vorzertifiziert sind und die Experimente im Orbit mit Strom und Datenverbindungen versorgen.
Wir lassen den Satelliten und den Container so zertifizieren, dass die Nutzlasten, die hineinkommen, nicht mehr eigens zertifiziert werden müssen.
Forschungsgruppen, Hersteller:innen und Entwicklungsteams schicken ihre Nutzlast also direkt an Tumbleweed und erhalten anschließend während des Flugs im All die entsprechenden Daten. Auf der ersten Mission Oasis Alpha waren das etwa ein Experiment zur Zell-Biokatalyse des Unternehmens Mass Balance, Untersuchungen des European Space Resources Innovation Centre (ESRIC) zu Phasenübergängen, die für die künftige Gewinnung von Ressourcen im Weltraum relevant sind, sowie Tests autonomer intelligenter Systeme der TU Delft. Ab 2028 soll bei jeder Mission auch der Pod selbst zur Erde zurückkehren.
Im Vergleich zu entsprechenden Experimenten auf der Internationalen Raumstation ISS fliegen Kund:innen von Tumbleweed laut dem Unternehmen fünfmal schneller und zehnmal günstiger. Missionen sind bereits ab einem Preis von 15.000 Euro buchbar. Für alle bisherigen Kund:innen des Unternehmens war es jeweils der erste Flug ihrer Nutzlasten ins All.
Der erste Satellit, Oasis Alpha, wurde innerhalb von neun Monaten gebaut und startete am 7. Juli 2026 an Bord der SpaceX-Mission Transporter-17 ins All, mit insgesamt vier Nutzlasten von Kund:innen an Bord. Ausgebucht war die Mission bereits ein Jahr vor dem Start. Inzwischen kommt laut Rothenbuchner rund die Hälfte der Kund:innen aktiv von sich aus auf das Unternehmen zu, bei Oasis Beta sind es zwei Drittel. Bei der Wahl der Trägerraketen agiert Tumbleweed bewusst flexibel und nutzt die Startgelegenheiten, die sich am schnellsten bieten.
Zwischen Delft und Wien
Das 25-köpfige Team ist auf zwei Standorte verteilt. In der niederländischen Stadt Delft, die über ein dichtes Netzwerk an technischen Fachkräften verfügt, liegt der Schwerpunkt auf der Technologieentwicklung.
In Wien sind Kundenbetreuung, Missionsbetrieb, die wissenschaftliche Betreuung der Nutzlasten und die Rechtsabteilung angesiedelt, zunehmend auch kundennahes Engineering. So fanden auch sämtliche Tests für die erste Mission Oasis Alpha in Österreich statt.
Rothenbuchner betont, dass die Unterstützung durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sehr gut gewesen und das Lizenzierungsverfahren allgemein im internationalen Vergleich sehr schnell verlaufen sei.
Die Lizenzierung war hervorragend. Das möchte ich wirklich hervorheben. Der Wiener Standort wächst außerdem derzeit deutlich schneller als jener in Delft, auch deshalb, weil internationale Bewerber:innen Wien bevorzugen. Bis zum Jahresende 2026 soll das Wiener Team um rund 70 Prozent wachsen.
Dass österreichische Raumfahrttechnologie internationales privates Kapital mobilisiert und bereits kommerziell im Weltraum eingesetzt wird, ist ein wichtiges Signal für unseren Forschungs- und Wirtschaftsstandort. Solche Unternehmen stärken die heimische Wertschöpfung, schaffen qualifizierte Arbeitsplätze und belegen, dass Österreich bei anspruchsvollen Zukunftstechnologien international wettbewerbsfähig ist.
Drei Missionen für 2027 geplant
Mit dem neuen Kapital finanziert Tumbleweed drei Missionen im Jahr 2027 mit insgesamt mehr als zehn Kund:innen. Die Nutzlasten stammen von Laboren aus Medizinforschung, Biotechnologie und Agrartechnologie.
Zudem soll die Finanzierungsrunde die Entwicklung von Oasis Beta beschleunigen, der Orbitalplattform der nächsten Generation. Sie ist für 2028 geplant und soll größere Nutzlasten aufnehmen sowie diese im Anschluss sicher zur Erde zurückbringen können. Buchungen für die drei Missionen 2027 sowie für Oasis Beta sind bereits möglich. Im kommenden Jahr 2027 will Tumbleweed außerdem sein Angebot in Österreich ausbauen, mit heimischen Kund:innen sei das Unternehmen bereits im Gespräch.
Rothenbuchner selbst denkt in deutlich längeren Zeiträumen. Mikrogravitation als industrielle Ressource aufzubauen, sei ein Vorhaben für die kommenden zehn Jahre. Das langfristige Ziel ist, Mikrogravitation "für zehnmal bessere Krebstherapien, zehnmal bessere Halbleiter und eine zehnmal schnellere Pharmaentwicklung" zu nutzen.