Wie die Mondfahrt die Covid-Krise erträglicher macht

Bei der aktuellen Corona-Bewältigung denkt man nicht unbedingt an die Raumfahrt. Im Telefon-Interview mit Austria in Space erzählt Franz Viehböck, wie aber gerade seine Weltraummission jetzt helfen kann, die Pandemie zu überstehen.
Franz Viehböck auf dem Weg zur Raumstation Mir
Franz Viehböck aus dem Weg zur MIR (Mit freundlicher Genehmigung von Franz Viehböck)

Die Familie kann einen nicht so einfach besuchen, Hamsterkäufe, weil man Angst hat, gewisse Dinge nicht mehr so schnell zu bekommen. Ein Mangel an Klopapier, Nudeln werden Luxusware, eingeschlossen auf kleinstem Raum. Was eine Zusammenfassung der letzten Monate während des Corona-Lockdown sein könnte, beschreibt tatsächlich Franz Viehböcks Zeit im Sternstädtchen nahe Moskau und seine Mission zur Raumstation MIR 1991.

Franz Viehböck mit 4 Kollegen in der Kapsel
Viehböck mit Kollegen in der Raumstation MIR (Mit freundlicher Genehmigung von Franz Viehböck)

Dennoch will der Austronaut im Interview mit Austria in Space keine Vergleiche zwischen den beiden Situationen ziehen: „Im Großen und Ganzen war es ja so, dass die Versorgung im Sternenstädtchen nicht gut geklappt hat, weil das System der Sowjetunion in sich zusammengebrochen ist. Das System hat einfach nicht funktioniert. Bei diesem Lockdown hier aber hat das System funktioniert: die Grundinfrastruktur, die Lebensmittelversorgung, die Müllabfuhr, Wasser, Strom, all diese Sachen. Man hat bewusst einen Shutdown gemacht, und nicht, weil das System zusammengebrochen ist."
Doch er erkennt auch an, dass die aktuelle Situation eine Ausnahmesituation ist, und Ausnahmesituationen immer verunsichern. „Es ist wichtig, wenn man in solchen Situationen ein Gerüst hat, an dem man sich anhalten kann, und so ein Gerüst kann man selbst bauen, in dem man den Tagesablauf immer gut plant und gewisse Fixpunkte hat." Dazu gehöre aufzustehen, wann man auch normalerweise aufsteht, und fixe Mahlzeiten.

Franz Viehböck Portrait
Franz Viehböck blickt noch heute positiv auf seine Zeit als Austronaut zurück (Berndorf AG)

Es gibt auch Erlebnisse und Erkenntnisse, die Franz Viehböck aus seiner Astronauten-Zeit mitnimmt, die in Zeiten von Corona eine wirkliche Hilfe sein können, gerade im Alltag. Das konstante Zusammensein auf kleinstem Raum, wie es viele Familien gerade erleben, ist auch nicht viel anders als gemeinsam in einer Rakete oder in einer Weltraumstation eingesperrt zu sein. Das oberste Gebot sei gegenseitiger Respekt und auf Andere einzugehen, genauso wie gute und klare Kommunikation, so Viehböck. „Es sind Themen, die generell auch wichtig sind, wenn man in einem Team arbeitet".

Teamarbeit findet in Coronazeiten meist über Online-Meetings statt. Dank Kamera und Internet ist man schnell mit seinen Kollegen verbunden. Dass wir heutzutage so gut miteinander verbunden sind, haben wir auch den Apollo-Missionen zu verdanken. „Die Mondfahrt hat in vielen Bereichen enorme technische Weiterentwicklungen gebracht und auch die Entwicklung der Computer voran getrieben. Dass sich das alles so schnell entwickelt hat, da ist die Raumfahrt sicher ein wesentlicher Antrieb gewesen."