Ex-Ante Impact Assessment astronautische und robotische Raumfahrt
Bibliographische Daten
Dr. Christian Hartmann, Gerit Anders BAHerausgeber: Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (Wien, 2025. Stand: 6. März 2026)
Deutsch, 154 Seiten
Inhaltsbeschreibung
Zusammenfassung
Die robotische und astronautische Exploration befindet sich in einer dynamischen Phase, geprägt von einer Mischung aus staatlichen Programmen und privaten Initiativen, die zunehmend miteinander verflochten sind.
Die NASA und die Europäischen Weltraumorganisation (ESA) setzen weiterhin auf robotische Missionen, um Schlüsselziele wie die Erforschung des Mondes, des Mars und von Asteroiden voranzutreiben, während gleichzeitig die Vorbereitungen für bemannte Missionen intensiviert werden. Robotische Missionen dienen als Wegbereiter für astronautische Vorhaben, indem sie kritische Technologien wie autonome Landesysteme und Ressourcennutzung (ISRU) erproben.
Gleichzeitig rücken private Handelnde wie SpaceX und Blue Origin stärker in den Vordergrund, wobei SpaceX mit dem Starship-Programm nicht nur Mond- und Marsambitionen verfolgt, sondern auch robotische Vorstöße plant. Allerdings offenbaren jüngste Rückschläge beim Starship-Prototypen die technischen Hürden, insbesondere bei der Entwicklung zuverlässiger Antriebs- und Landesysteme.
Technologische Innovationen prägen beide Bereiche: In der robotischen Exploration setzen sich miniaturisierte Instrumente durch, die leichter und energieeffizienter sind, während Fortschritte in der Telekommunikation (z. B. Lasersysteme) die Datenübertragungsraten von fernen Missionen erhöhen.
Die Robotik wird zunehmend autonom (intelligent selbststeuernd), wie etwa die Pläne für KI-gesteuerte Aufräummissionen gegen Weltraummüll zeigen, während Astronautenmissionen von Lebenserhaltungssystemen profitieren, die teilweise auf geschlossenen Kreisläufen basieren und somit Nachhaltigkeit fördern. Globale Kooperationen bleiben entscheidend, etwa bei der BepiColombo-Mission (ESA/JAXA), doch nationale Alleingänge – insbesondere Chinas ehrgeiziges Mondprogramm – verdeutlichen die geopolitische Dimension der Raumfahrt.
Die Grenze zwischen robotischer und astronautischer Exploration verschwimmt, da humanoide Roboter wie Optimus zukünftig als Vorposten für Astronauten agieren könnten, während gleichzeitig Astronauten in orbitalen Labors wie dem Space Rider robotische Experimente überwachen. Parallel dazu treiben private Unternehmen die Kommerzialisierung der erdnahen Umlaufbahn voran, indem sie Dienstleistungen wie Satellitenwartung oder Weltraumtourismus anbieten.
Österreichs Raumfahrtsektor wird durch eine Kombination aus staatlichen Institutionen, Forschungszentren und Industrieunternehmen geprägt, die eng mit internationalen Partnern wie der ESA kooperieren. Die Agentur für Luft- und Raumfahrt der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft fungiert als zentraler Koordinator und vertritt die Inte4 von 154 Ex-Ante Impact Assessment astronautische und robotische Raumfahrt ressen des Landes in Gremien der ESA, der EU sowie bei der Umsetzung nationaler Strategien. Sie verwaltet das Austrian Space Applications Programme, das seit 2002 über 800 Projekte zur Förderung von Weltraumtechnologien und Erdbeobachtung unterstützt hat.
Der Raumfahrtsektor wurde im Jahr 2023 von der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag des BMIMI (vormals BMK) erhoben.[1] Dabei wurden 146 Organisationen identifiziert, die sich wie folgt aufteilen: 85 Wirtschaftsunternehmen (58%), 45 Organisationseinheiten aus Wissenschaft und Forschung (31%) und 16 Organisationseinheiten aus der öffentlichen Verwaltung und sonstige Organisationen (11%). In diesen 146 Organisationen waren 2023 insgesamt 1.300 VZÄ ausschließlich in Weltraumthemen beschäftigt.[2]
Der Bereich der HRE macht nur einen Teilbereich des gesamten Weltraumsektors aus und umfasste 2023 insgesamt 26 Unternehmen mit 23.891 Beschäftigte und einen Weltraumgesamtumsatz von EUR 162,4 Mio.[3]
Der Umsatz im Bereich Human and Robotic Exploration (HRE) belief sich dabei EUR 62,5 Mio. Die 26 Unternehmen verfügten zum Erhebungszeitpunkt über 1.226 F&E-Beschäftigte (VZÄ) im Bereich Weltraum.
Szenarien
Szenario 1 „Weiter wie bisher"
Szenario 1 geht davon aus, dass im Rahmen der nächsten ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 in Bremen seitens Österreichs erneut Wahlbeiträge i.d.H. von EUR 15,5 Mio. für die Terra Novae Programme Envelope gezeichnet werden.[4]
Es bleibt die Struktur des Mitteleinsatzes somit für die kommenden Perioden (2026 bis 2031) unverändert. Es zeigt sich dabei, dass auch ohne eine Ausweitung der Wahlbeiträge Österreichs im Bereich HRE zumindest moderate positive direkte und indirekte wirtschaftliche Effekte zu erwarten sind. Dem steht jedoch weder ein verbesserter Zugang zu europäischen Forschungsnetzwerken noch zu europäischen Märkten gegenüber.
In Ermangelung einer astronautischen Mission kann auch nicht mit einer mobilisierenden Wirkung im Bereich Bildung (MINT), bzw. mit positiven Impulsen für die öffentliche Wahrnehmung von SpaceTech in Österreich gerechnet werden.
Szenario 2 „Ausweitung der österreichischen Wahlbeiträge in der robotischen Exploration"
Im Szenario 2 wird angenommen, dass im Rahmen der nächsten ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 in Bremen seitens Österreichs eine deutliche Ausweitung der Wahlbeiträge auf EUR 80,0 Mio. für die Terra Novae Programme Envelope erfolgt.
In den kommen den Perioden (2026 bis 2031) fließen dabei alle gezeichneten Mittel in robotische Missionen. Es ist sowohl mit einem deutlichen Anstieg der betrieblichen Einnahmen aus Verträgen mit der ESA und internationalen Aufträgen als auch mit signifikanten gesamtwirtschaftlichen Effekten in Österreich zu rechnen.
Es sind darüber hinaus auch positive Impulse für Spin-offs und ein deutlich verbesserter Zugang zum europäischen Markt bzw. zu europäischen Forschungsnetzwerken zu erwarten. Es ist demgegenüber aber mit einer fehlenden mobilisierenden Wirkung im Bereich Bildung (MINT) sowie mit dem Ausbleiben von positiven Impulsen für die öffentliche Wahrnehmung von Weltraumforschung und -technologie zu rechnen.
Szenario 3 „Ausweitung der österreichischen Wahlbeiträge mit einem Schwerpunkt in der Astronautik"
Auch im Szenario 3 wird angenommen, dass im Rahmen der nächsten ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 in Bremen seitens Österreichs eine Ausweitung der Wahlbeiträge auf EUR 80,0 Mio. erfolgt.
Die Mittel fließen in den kommenden Perioden (2026 bis 2031) überwiegend in astronautische Missionen. Es ist sowohl mit einem deutlichen Anstieg der betrieblichen Einnahmen aus Verträgen mit der ESA und internationalen Aufträgen als auch mit signifikanten gesamtwirtschaftlichen Effekten in Österreich zu rechnen.
Zusätzlich sind auch positive Impulse für Spin-offs und ein deutlich verbesserter Zugang zum europäischen Markt und zu europäischen Forschungsnetzwerken zu erwarten. Hinzu kommen durch die astronautische Mission noch eine mobilisierende Wirkung im Bereich Bildung (MINT), sowie positive Impulse für die öffentliche Wahrnehmung von SpaceTech in Österreich.
Der wesentliche Nachteil von Szenario 3 liegt in der aktuell sehr unsicheren Zukunft des Artemis Programms der NASA: Eine starke Redimensionierung oder gar eine Beendigung des Programms hätte naturgemäß weit über die USA hinaus sehr starke Auswirkungen auf die aktuellen und geplanten Aktivitäten im Bereich der astronautischen Exploration.
Szenario 4 „Beibehalten des Österreichischen Aktivitätsniveaus im Terra Novae Programm der ESA + Zukauf einer privaten Weltraumission"
Szenario 4geht von denselben Annahmen wie Szenario 1 aus. In Ergänzung dazu wird zusätzlich der Zukauf einer astronautischen Kurzzeitmission (Kosten rd. EUR 65 Mio.) bei einem privaten Anbieter angenommen.
Analog sind auch hier zumindest moderate positive direkte und indirekte wirtschaftliche Effekte und in Folge der zugekauften privaten astronautischen Mission sowohl eine mobilisierende Wirkung im Bereich Bildung (MINT), als auch positive Impulse für die öffentliche Wahrnehmung von SpaceTech in Österreich zu erwarten. Dem steht wie in Szenario 1 jedoch weder ein verbesserter Zugang zu europäischen Forschungsnetzwerken noch zu europäischen Märkten gegenüber.
[1] Barjak, F.; Heimsch, F.; Thees, O. (2023), Dienstleistungsauftrag zur Erhebung des österreichischen Weltraumsektors, Abschlussbericht
[2] Ders. S. 4.
[3] Ders. S. 47.
[4] Siehe hierzu Abschnitt 4.3 der Studie
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