Astronaut for a Day - Ein paar Minuten schwerelos

Am 15. Oktober 2025 starteten 14 österreichische Jugendliche mit dem Flugzeug AirZeroG der European Space Agency (ESA) zu einem Parabelflug. Eine von den ausgewählten Jugendlichen ist Daniela König.
Schwebende Jugendliche in einem Flugzeug.
(Copyright: FFG)

Während mehrerer Flugmanöver erlebten die Jugendlichen jeweils rund 20 Sekunden echte Schwerelosigkeit – insgesamt bis zu acht Mal hintereinander: einen Moment, der sonst nur Astronaut:innen im All vorbehalten ist.

Ermöglicht wurde das durch das Programm „Astronaut for a Day" (kurz AFAD). Der Flug selbst war jedoch erst der Auftakt zu ihrer Aufgabe als Space Ambassadors: Künftig sollen sie ihre Erlebnisse weitergeben und andere für die Wissenschaft und für das Thema Weltraum begeistern.

2025 wurden aus rund 800 Bewerber:innen sieben Mädchen und sieben Burschen im Alter von mindestens 15 Jahren ausgewählt. Neben Logik-, Fitness- und Interviewtests stand dabei vor allem eine zentrale Frage im Raum: Wie würden sie ihre Begeisterung für den Weltraum über den Flug hinaus weitergeben?

Eine von den ausgewählten Jugendlichen ist Daniela König. Sie wollte gar nicht, dass ihre Geschichte mit dem Flug endet.

Ein Grund meiner Bewerbung war auch, dass man später als Weltraumbotschafterin aktiv sein kann. Wenn man schon diese Zusammenarbeit hat, dann muss man auch zeigen, wieso sie so wertvoll ist.

Daniela König

120 Jugendliche, ein Weltraumabend

Aus ihrer Idee wurde ein schulweiter Weltraumabend am BG/BRG Bruck an der Leitha mit rund 120 Besucher:innen.

15 bis 17 Mitschüler:innen arbeiteten aktiv mit, kümmerten sich um Technik, Bühnenaufbau, Garderobe, Ausstellung und Ablauf.

Es hat mit mir gestartet, aber es wurde dann ein gemeinsames Projekt.

Daniela König

Das Programm des Abends war bewusst breit angelegt: Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollten sich nicht nur Vorträge anhören, sondern Einblicke in konkrete Berufsfelder erhalten und so begreifen, wie nahe der Weltraum dem Alltag tatsächlich ist. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch eine Ausstellung des TU Wien Space Teams, zu der die studierenden Mitglieder des Teams praxisnahe Technik zum Anfassen mitbrachten.

Inhaltlich spannte sich der Bogen von Blickwinkeln aus Industrie über Forschung bis hin zur astronautischen Perspektive. Per Online-Zuschaltung aus Amsterdam sprach Neil Melville von der Europäischen Weltraumagentur ESA, ebenso wie ESA-Reserveastronautin Carmen Possnig. Vor Ort erzählten Werner Engel (FOTEC), Daniel Kaiser (Gate Space), Wolfgang Pawlinetz (Beyond Gravity) sowie Julia Knie von der Agentur für Luft- und Raumfahrt der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) über ihre Arbeitsfelder und Karrierewege.

König hatte klare Vorstellungen davon, wie dieser Abend gehen sollte.

Ich habe ihnen gesagt, dass sie nicht nur aus fachlich Sicht von ihren Erlebnissen berichten sollen, sondern auch darüber, wieso sie für ihren Beruf brennen.

Daniela König

Daniela König wird interviewt.
(Copyright: FFG)

Es ging ihr nicht um PowerPoint-Folien, sondern um persönliche Beweggründe, Zweifel und Wendepunkte im Leben der Weltraumexpert:innen. Identifikation sei der Schlüssel, sagt sie. „Wenn jemand sieht: Der oder die ist genauso wie ich und ist glücklich in diesem Beruf, dann kann ich das vielleicht auch."

Und auch wer am Ende keinen Berufswunsch im All entwickelt, gehe nicht leer aus: „Entweder man entdeckt etwas für sich, oder man nimmt zumindest eine Erfahrung mit."

Eindrücke hinterlassen

Auf das Programm Astronaut for a Day wurde sie durch ihre Klassenvorständin aufmerksam. Ursprünglich hatte sie ganz andere Pläne als eine Karriere im Weltraumbereich: Ihr Traumstudium war Mathematik.

Der eigentliche Wendepunkt kam jedoch im Laufe des Auswahlprozesses von AFAD. Als sie begann, sich intensiver mit der Rolle einer Weltraumbotschafterin auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, was es bedeutet, Begeisterung für den Weltraum weiterzugeben, wuchs in ihr der Wunsch, später selbst im Weltraumsektor zu arbeiten.

Ich bin ein relativ emotionaler Mensch. Es gibt für mich nichts Schöneres, als jemandem zu vermitteln: Egal welches Talent du hast, wenn du dich traust und daran arbeitest, kannst du glücklich werden.

Daniela König

Dabei prägte sie eine Begegnung besonders: Eine theoretische Physikerin, die sie im Bus kennenlernte, sprach mit solcher Leidenschaft über Teilchenbeschleuniger, dass sie immer wieder daran zurückdenken musste.

"Sie war die erste Person, die mir gesagt hat: Wenn du gerne zeichnest, dann zeichne. Wenn du gerne moderierst, dann moderiere. Wenn du das machst, was dir Spaß macht, kannst du nichts falsch machen."

Die Begegnung hat bei Daniela einen starken Eindruck hinterlassen.

"Der Weltraum gehört uns allen"

Heute spricht sie selbst von solchen Eindrücken. Besonders wichtig ist ihr ein Gedanke: „Im Team haben alle eine Hauptrolle."

Im Weltraum brauche es nicht nur Astronauten, sondern auch Juristinnen, Journalistinnen, Köche, Künstler. „Der Weltraum gehört uns allen", sagt sie – ein Satz, der bei ihrem Schulabend fiel und den sie weitertragen will.

Und sie selbst? Ihre Pläne ändern sich immer wieder, wie sie offen zugibt. Vor wenigen Monaten dachte sie an reine Mathematik, davor an Chemie. Derzeit zieht es sie in Richtung Luftfahrt- und Weltraumtechnik.

„Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich ein Flugzeug sehe", sagt sie. „Ich verstehe physikalisch, dass es fliegen kann, aber es ist für mich trotzdem ein Wunder."

Ob Raketen, Flugzeuge oder etwas ganz anderes – sie will „im Team des Weltraums" bleiben. Und weitergeben, was ihr selbst einmal jemand mitgegeben hat: dass Selbstvertrauen manchmal der entscheidende Treibstoff ist.