Generalsanierung für Österreichs Weltraum-Hotspot an der TU Graz
TUGSAT-1, PRETTY, OPS-SAT, UniBRITE - mit diesen österreichischen Nanosatelliten wurde in der Inffeldgasse 12 am Campus der TU Graz Weltraumgeschichte geschrieben. Dort wurden und werden die Satelliten gebaut und getestet bzw. während ihrer Mission von Österreich aus gesteuert und überwacht. Das hat der Bodenstation schon die Bezeichnung "Austria-Houston" eingebracht. Nun wird das Gebäude aus den 1970er-Jahren generalsaniert. Bis 2028 werden rund zehn Mio. Euro investiert.
Mit TUGSAT-1 und UniBRITE sind im Jahr 2013 die ersten Austro-Kleinsatelliten ins Weltall gestartet. Beide waren länger als ursprünglich geplant in Betrieb, sie haben wertvolle Daten zur Veränderlichkeit von hellen Sternen geliefert und ihre Missionen wurden 2025 erfolgreich beendet. Mit dem "fliegenden Testlabor" OPS-SAT wurden mehr als vier Jahre lang neue Satellitenkonzepte und Technologien erprobt, die Mission des Mini-Klimasatelliten PRETTY wurde erst jüngst bis Ende 2026 verlängert, wie die TU Graz gegenüber der APA mitteilte.
Zuhause von Österreichs Nanosatelliten
Der Betrieb der erfolgreichen Satellitenmissionen erfolgte von der Bodenstation des Instituts für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation der TU Graz in der Inffeldgasse 12, geleitet wird die Überwachung von Manuela Wenger. Sie arbeitet aktuell auch an einem Kooperationsprojekt mit den Niederlanden für die europäische Militärsatellitenkonstellation LEO2VELEO mit.
In der Inffeldgasse gibt es auch einen eigenen Reinraum für den Zusammenbau und Infrastruktur für die Tests, die Satelliten durchlaufen müssen, bevor sie in den Orbit gelangen. Sie beginnen damit, dass Temperaturen von minus 40 bis plus 80 Grad durchgetestet werden. Dafür hat das Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation einen neuen Klimaschrank - der Vorgänger stammte noch aus den Zeiten der Mission AUSTROMIR. Tests in der Vakuummesskammer und solche am Rütteltisch sind ebenfalls vor Ort möglich.
Ab dem Sommer wird das Gebäude, in dem auch noch drei weitere Institute der Fakultät für Elektrotechnik untergebracht sind, saniert. "Wir können den Betrieb für unsere Projekte aufrechterhalten, die Antennen-Anlage am Dach bleibt zugänglich, die Büros werden am Campus übersiedelt, die Labore kommen in Container und der Reinraum wird versiegelt. Wir werden aber eine Reinraumkabine im Ersatzbetrieb haben", schilderte Wenger gegenüber der APA.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Die Bruttoinvestitionskosten betragen laut TU Graz rund zehn Mio. Euro. Baustart ist im Sommer 2026, die Fertigstellung ist für Anfang 2028 geplant. Bis dahin soll die langfristige Weiternutzung des aus den 1970er-Jahren stammenden und mit Waschbetonplatten verkleideten Gebäudes gesichert sein. Es wird energieeffizienter gemacht, wird begrünt und bekommt eine Holzfassade. Laut Rektor Horst Bischof sollen höchste Nachhaltigkeits- und Effizienzstandards angestrebt werden. Die letzte Teilsanierung des Gebäudes ist zwanzig Jahre her, viele technische Anlagen sind veraltet und erfüllen den heutigen Anspruch an Energieeffizienz nicht, auch die Barrierefreiheit wird verbessert.
Die gezielte Beschattung mit neu gepflanzten Bäumen und eine neue thermische Hülle mit außenliegendem Sonnenschutz sollen für mehr Energieeffizienz sorgen. Große Teile des Dachs werden weiterhin als Versuchsfläche genutzt. Dort befindet sich jene Satelliten-Bodenstation, von der aus die wissenschaftlichen Experimente der TU Graz-Satelliten koordiniert und ferngesteuert werden. Auch Ausbreitungsexperimente und Free-Space-Optics-Messungen werden auf den Dachflächen durchgeführt.