Vizeweltmeister! So war der Manfred Lachs Space Law Moot Court

Das Team der Uni Wien belegte dieses Jahr den zweiten Platz des internationalen Wettbewerbs - und erreichte damit einen beispiellosen Erfolg. Für Austria in Space berichtet das Team von seinen Erfahrungen.
Das österreichische Team der Uni Wien beim Finale des Manfred Lachs Space Law Moot Court
Das österreichische Team der Uni Wien beim Finale des Manfred Lachs Space Law Moot Court (Privat)

Der Manfred Lachs Space Law Moot Court ist ein internationaler Völkerrechtswettbewerb, der jedes Jahr vom International Institute of Space Law (IISL) organisiert wird. Wir, Katharina Harreiter, Rosanna Hoffmann und Hristina Talkova waren das Team der Universität Wien 2019/2020. Wir gewannen die europäischen Regional Rounds und sind ins internationale Semifinale und anschließend ins internationale Finale eingezogen. Dort erlangten wir den zweiten Platz und erhielten die Auszeichnungen für den besten Schriftsatz und die beste Rednerin.

Betreut wurden wir von Mag. Clara Baumgartner und Mag. Michael Friedl, die vor einigen Jahren selbst Teilnehmende des Space Law Moot Court waren. Sie unterstützen seitdem die nachfolgenden Teams, heuer als Universitätsassistent*innen im Rahmen einer gemeinsamen Lehrveranstaltung. Die Universität Wien nimmt auf Initiative von ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Irmgard Marboe von der Abteilung für Völkerrecht und Internationale Beziehungen seit 2012 an diesem Wettbewerb teil.

Das österreichische Team der Uni Wien beim Finale des Manfred Lachs Space Law Moot Court
Das österreichische Team der Uni Wien beim Finale des Manfred Lachs Space Law Moot Court (Privat)

Im Zuge des Wettbewerbs mussten die Teams einen fiktiven Fall vor dem Internationalen Gerichtshof analysieren und Argumente für beide Seiten finden. Die Vorbereitungen bestanden aus zwei Phasen, einer schriftlichen, sowie einer mündlichen. In der schriftlichen Phase haben wir zwei Schriftsätze erarbeitet, welche Ende Februar 2020 nach Paris an das European Centre for Space Law verschickt wurden. Danach bereiteten wir uns auf den mündlichen Teil vor. Die europäischen Regional Rounds wären von der Universität Wien Anfang April ausgetragen worden, doch wegen der mit dem Ausbruch des Coronavirus verbundenen Einschränkungen wurde entschieden, dass die vier Teams mit den besten Schriftsätzen gegeneinander online antreten werden. Wir waren freudig überrascht, dazu zu gehören und stürzten uns sogleich in die Vorbereitungen. Für den mündlichen Teil übten wir ausschließlich online, was für uns eine Umstellung war, an die wir uns aber schnell gewöhnten. Ein weiterer großer Unterschied zu den Vorbereitungen vor Corona war, dass wir uns davor sehr oft gesehen und auf engstem Raum zusammengearbeitet haben. Dieser direkte Kontakt fehlte uns allen.

Die online Regionalrunden wurden Anfang Juni abgehalten. Wir konnten uns im Semifinale gegen die Konkurrenz von der National and Kapodistrian University of Athens (Griechenland), sowie im Finale gegen die Universität Leiden (Niederlande) durchsetzen. Außerdem gewann eine von uns, Hristina Talkova, den Preis als beste Rednerin.

Wie so vieles in 2020 wurde auch das Finale virtuell abgehalten
Wie so vieles in 2020 wurde auch das Finale virtuell abgehalten (Privat)

Lange konnten wir uns nach dem Sieg nicht erholen, denn es ging schnell in die Vorbereitungen für das internationale Finale. Wir überarbeiteten unsere Schriftsätze und schickten diese dem IISL. Anschließend trainierten wir wieder für den mündlichen Teil, welcher wegen der Pandemie ebenso online stattfand. Im Semifinale im September standen wir dem Team von der Universität Pretoria (Südafrika) gegenüber und schafften den Einzug ins Finale. Dieses fand am 23. Oktober gegen die National Law University Delhi (Indien) statt. Obwohl hier von beiden Seiten starke Argumente vorgebracht wurden, erklärten die tatsächlichen Richter*innen des Internationalen Gerichtshofes, Peter Tomka (Slowakei, Präsident), Joan Donoghue (USA) und Kirill Gevorgian (Russland), welche sich jedes Jahr für das Finale des Wettbewerbs zur Verfügung stellen, das Team der National Law University Delhi zum Sieger. Wir überzeugten allerdings mit unserer schriftlichen Arbeit und gewannen den Eilene Galloway Preis für Best Memorials, während Hristina Talkova erneut durch ihre Rhetorik beeindruckte und den Sterns and Tennen Preis für Best Oralist gewann.

Zwar haben wir nicht gewonnen, aber unser Ergebnis ist das bisher erfolgreichste der Universität Wien. Zudem betrachten wir das Jahr, das wir für den Moot Court verwendet haben als eines der besten, lehrreichsten und lustigsten unserer akademischen Laufbahn. Wir haben nicht nur viel Erfahrung in wissenschaftlichem Arbeiten, Recherche und Rhetorik sammeln können, auch gab der Moot Court uns die Gelegenheit uns intensiv mit Weltraumrecht auseinander zu setzen. Wichtiger noch als alle Preise, ist jedoch die Freundschaft, die wir geschlossen haben.